Der Blinde und die Farbe

© by nerd

Der Blinde und die Farbe

Am Mittwoch, d. 22. Januar 2014 wurde in Brüssel das sogenannte Weißbuch vorgelegt- ein Entwurf des europäischen Energie- und Klimaschutzpakets, vorgefasst, bis zum Jahr 2030.
In den darin enthaltenen Klimazielen liest man wirklich tapfere Vorstöße bezüglich des Klimaschutzes. So soll bis 2030 eine Verringerung der Emission von Treibhausgasen um 40 Prozent erfolgt sein. Darüber hinaus gibt es Pläne für einen EU-weit bindenden Anteil von 27 Prozent erneuerbarer Energien in der Energiebilanz bis 2030. Für Deutschland, als Vorreiter, wahrlich kein Meilenstein, wohl aber für andere EU-Länder, die bislang noch auf konventionelle Kraftwerke, resp. nur auf Atomstrom bauen.
So weit, so gut.

Das letzte Wort beim Klimaschutzpaket haben nicht nur das EU-Parlament, sondern auch die betreffenden Minister und Staatschefs der einzelnen EU-Länder.
Fragt man sich doch gleich, ob damit vielleicht der Besuch von NRWs MP, Hannelore Kraft, in Dawson Creek(Kanada), Mitte des vergangenen Jahres, in Zusammenhang stand. Schließlich will mensch ja nicht wie ein „Blinder von der Farbe“ reden, falls man später doch noch mal für NRW die Fracking-Technologie etabliert.
Aber der Reihe nach:

Was das Fracking betrifft, so liest sich das Weißbuch nämlich eher wie eine Gruselgeschichte.
Man öffnet dem Fracking- also der Schiefergasförderung, in Europa die Tür, versucht aber zu differenzieren, indem man dafür „Mindestgrundsätze“ vorgeben will. Weiß man aber wirklich wovon man da redet, wenn Brüssel behauptet, die Gesundheits- und Umweltrisiken würden vermieden, und zwar durch strenge EU-Vorgaben für Investoren und Betreiber dieses umstrittenen Verfahrens?

Soweit bekannt, gibt es keine empirischen Langzeitstudien für das Fracking und wie will man das Umweltrisiko einschätzen, wenn die Förderer von Schiefergas keine Details über die Zusammensetzung des Chemiecocktails veröffentlichen, den sie zur Gewinnung von verborgenen Gasvorkommen tief in den Bauch von Mutter Erde pressen? Die „Asse“ ist doch Beweis genug, dass man unsere Umwelt nicht künstlich befruchten kann, ohne dass da mal irgendwann etwas davon zutage tritt. In diesem Fall ein hochgiftiger Fötus.

Oder reden wir hier nicht von Mindestgrundsätzen, sondern von so was, wie einer „freiwilligen Selbstverpflichtung“ der Industrie? Wer hat’s erfunden? Der Deutsche hat’s erfunden! Wie will man Grundsätze definieren, wenn man die Risiken für die Umwelt gar nicht kennt?

Bestenfalls könnte man das einschätzen, was sich beim Fracking nicht vertuschen lässt, nämlich die 15 Millionen Liter Wasser, die man pro Bohrung benötigt und die nach dem Frackingvorgang als Lagerstättenwasser – versetzt mit hochgiftigem Benzol und radioaktiven Stoffen – wieder an die Erdoberfläche gelangen. Was tief unten abgeht, weiß eh keiner. Aber reichen diese oberirdischen Lagerstätten nicht bereits aus, um von vorn herein Abkehr vom Fracking zu nehmen?
Diese riesigen schwimmenden Gift-Halden müssen versiegelt werden- können aber dennoch vom Regen, oder durch Überschwemmungen ausgespült werden. Pah! Die versichert doch kein Versicherer, so er bei klarem Verstand ist.

Und was, wenn die Lagerstätten voll sind- wohin dann mit der Brühe?
An die dritte Welt verkaufen, oder einfach auf den Katastrophenfall warten und dann in den Gully spülen, oder gleich ins Meer leiten, so, wie es heute noch an Japans Küste praktiziert wird?

[…]


Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen